Riff-Raff (Kenneth Loach, GB 1990)

Das Leben ist ein Baustelle

Riff-Raff wird als typischer Film des Briten Ken Loach gehandelt: Die Protagonisten sind Angehörige der untersten sozialen Schicht, die Sprache ist ruppig, die Schauplätze trostlos. Während andere Regisseure aus diesen Zutaten einen moralinsaure Gutmenschsuppe köcheln, sitzt Loach der Schalk im Nacken. Bei allen in Riff-Raff angesprochenen Problemen und der daraus resultierenden Tragik erzählt er eine Geschichte, die von Humor und herzerwärmenden Befindlichkeiten getragen wird. Im Mittelpunkt steht der Aushilfsbauarbeiter Stevie (Robert Carlyle), ein Mann, der schon viel erlebt hat und dessen Zukunftspläne fast ein wenig albern wirken. Ihm gegenüber die offensichtlich untalentierte Popmusik-Sängerin Susan (Emer McCourt), deren Ansprüche sich schlecht mit der Realität vereinbaren lassen und die deshalb die Beziehung zu Stevie auf eine harte Probe stellen.
Loach erhebt nicht den Anspruch, ein komplette Geschichte mit konventionellen Prolog, Spannungsaufbau, Epilog usw. usf. darstellen zu wollen. Riff-Raff hat zwar ein Anfang und ein Ende, aber er wirkt wie ein Ausschnitt, etwas, was sich so oder ähnlich täglich irgendwo abspielen könnte. Die leicht dokumentarisch agierende Kameraführung tut ihr Übriges zu diesem Eindruck. Unterhaltsam ist Riff-Raff dennoch, was vor allem den gut aufgelegten Schauspielern zu verdanken ist. Robert Carlyle, der inzwischen mit Filmen wie The Full Monty, Trainspotting, als James-Bond-Gegenspieler und sogar Hitler-Darsteller zu einer gewissen Popularität gelangt ist, stand damals noch am Anfang seiner Karriere. Im Gegensatz zu der überbordenden Lebendigkeit von Emer McCourt und Stevies Baustellenkollegen wirkt die dürre Carlyle mit Strickmütze und Lederwestchen fast ein wenig phlegmatisch. Mit Bedacht: Loach wollte sicher keinen Helden erschaffen, mit dem man sich wie in einem x-beliebigen Film identifizieren kann. Carlyle spielt eher den „normal guy“, der sich mehr schlecht als Recht durchs Leben schlägt. In einer Umgebung, die von Menschenverachtung geprägt ist, in der aber Menschlichkeit und Kameradschaft wie Baumwurzeln Risse in den dunklen Asphalt bricht.

Fazit: Flotte Gesellschaftsklatsche.

Gesehen am Dienstag, den 6. Februar 2007 um 19 Uhr im Original mit deutschen Untertiteln und mit einer kurzen Einführung in der Kinemathek in Karlsruhe.